Wasser haltbar machen

Ein Gastbeitrag von Thomas Klauschke (Text & Bilder 1,3,4). Ein sehr wichtiger Punkt bei der Krisenvorsorge ist die Lagerhaltung von genießbarem Wasser. Thomas Klauschke befasst sich beruflich mit dem Thema Wasserqualität und hat in der SHTF-Gruppe bei Facebook freundlicherweise diesen Artikel eingebracht.
WICHTIGER HINWEIS! Der Autor übernimmt keine Haftung für Fehler, keine Gewähr für eventuelle Falschaussagen, Änderung der TrinkwV/DIN2000 und seine Aussage erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Anregungen und Kritik sind immer willkommen.

Wasser ist Leben

Geschichten vom Wassereinlagern, oder warum Sprudel wie H-Milch ein MHD hat...

Meines Zeichens gelernter Laborant und Probenehmer für Roh-, Trink-, Ab-, Grund-, Oberflächen-, Bade-, Nutz- & Prozesswässer bei einem akkreditierten Umweltlabor, maße ich mir an, darauf hinzuweisen, dass es nicht nur darauf ankommt, dass man in der Krise nach spätestens 48h tunlichst etwas trinken sollte, sondern vor allem darauf, dass die Qualität des Getränks der gleicht, oder zumindest ähnelt, die der eigene Körper gewohnt ist. Dies muss erstmal nicht wirklich zwangsläufig mit Keimfreiheit einhergehen, denn im normal konsumierten Trinkwasser, sowie in anderen Getränken und Lebensmitteln lebt immer irgendetwas. Es geht dabei darum, dass man durch den Verzehr eines Lebensmittels keine pathogenen Keime in einer solchen Menge zu sich nimmt, dass man dadurch erkrankt, denn gerade in einer Krise ist eine adäquate medizinische Versorgung, ja selbst die Linderung der Symptome bzw. die Mittel dafür nicht immer ohne weiteres verfügbar.

Das Hauptproblem bei den meisten Magen-Darm-Infektionen ist nämlich die erhöhte Infektionsgefahr für Mitmenschen und der durch Wasserverlust erhöhte Verbrauch dieser nun knappen Ressource, die geringere Leistungsfähigkeit und Mobilität, sowie die Schwächung und erhöhte Anfälligkeit für sonstige Infektionen. Unter anderem sind diese Überlegungen auch ein Grund dafür, warum Deutschland so ein strenges Infektionsschutzgesetz und eine Trinkwasserverordnung hat. Nun trinken leider viel zu viele Menschen weltweit stark belastetes Wasser, in dem ihre Nachbarn Wäsche waschen, Abwässer einleiten usw. und sind scheinbar doch nicht krank. Zum einen liegt das an einer Art Resistenz für die Konzentration an manchen Keimen und zum anderen ist das eine Fehlinterpretation, da bei vielen Menschen in Slums, welchen keinerlei medizinische Versorgung zur Verfügung steht, kaum Diagnosen getätigt werden und die Krankheitsbilder, an denen sie leiden, nicht ergründet und statistisch erfasst werden. Außerdem sind Epedemien in solchen strukurarmen, dicht bevölkerten Gebieten mit verarmter Bevölkerung an der Tagesordnung.

Wasserwerk

Aus diesem Grund haben wir hier in der Bundesrepublik Trinkwasser als Lebensmittel, Allgemein- und Schutzgut definiert und eine äußerst strenge Gesetzgebung, welche sich in der Trinkwasserverordnung und diversen DIN und UBA-Empfehlungen dazu manifestiert. Darin ist Trinkwasser als "Wasser für den menschlichen Gebrauch" definiert, also für alles, was zum Trinken, Kochen, der Zubereitung von Speisen und Getränken, der Reinigung von Behältnissen für Lebensmittel und für Kleidung benutzt wird. Diese Verordnung ist - was chemische, biologische und radiologische Maßnahme- & Grenzwerte angeht - deutlich strenger und der Mindestkontrollrhythmus deutlich enger, als es eigentlich nötig wäre, um genießbar und unschädlich zu sein. Dies ist aber aus gutem Grund so definiert, da der Versorger dadurch zwar stets angehalten ist, bestmögliche Qualität zu liefern, aber bei Havarien oder anderweitigen Belastungen noch so viel Spielraum vorhanden ist, dass frühestmöglich und adäquat reagiert werden kann, sollte einmal ein Wert überschritten sein, ohne dass die Versorgung unverzüglich gestoppt und eine Minderversorgung riskiert werden müsste, bis die Ursache gefunden und der Missstand behoben worden ist.

Man liest dabei - vor allem im Spätsommer und Herbst, der niederschlagsreichen Zeit - immer wieder davon, dass Trinkwasser in manchen Gebieten mit z.B. coliformen Keimen oder Pseudomonaden "verseucht" sei, wie die Presse gern dramatisch schreibt. Dies ist aber an sich vorerst weder ein großes Problem, noch ruht man sich darauf aus, vielmehr ist es eine Information für den Verbraucher, größere Acht zu geben, während im Hintergrund an der Behebung des Problems gearbeitet wird und weitere Maßnahmen eingeleitet werden, bevor das Problem derartige Zustände annimmt, dass es nicht mehr tragbar wäre. So sind Überschreitungen z.B. bei den lokalen Gesundheitsämtern meldepflichtig und es müssen Notfallpläne bestehen.

Das Problem dabei ist nämlich das folgende:
Rein theoretisch vermehren sich Bakterien exponentiell, also 1, 2, 4, 8, 16, 32 usw. - Da man gezwungenerweise Wasser bevorraten muss, geht über die Zeit von der Lagerung zwangsläufig auch immer die Gefahr der Vermehrung von Keimen aus, sofern das Wasser von vornherein nicht steril ist. Das ist rein prinzipiell auch gar nicht notwendig, wenn die Bedingungen stimmen. Der Versorger macht das z.B. über Hochbehälter, die manchmal 1000m³ und mehr messen, der alte Brunnenbauer, der noch Steine gesetzt hat, wusste, wie groß der Brunnen zu dimensionieren ist und der Mineralwasserproduzent hat ebenfalls Maßnahmen.

Die maximale Lagerdauer und das Bakterienwachstum hängen von vielen Faktoren ab, wie z.B. der Temperatur, dem Durchsatz, der Arten und Begleitflora der Mikrobiologie und vor allem der Grundkonzentration. Nun haben wir ja keinen durchströmten Behälter, sondern wir wollen stehendes Wasser möglichst lang lagern. Das heißt also im Umkehrschluss, dass die Grundkonzentration an vermehrungsfähiger Mikrobiologie möglichst klein, am besten null sein soll, denn aus nichts kann sich nichts vermehren.

Die Konzentrationen werden meist in KBE/mL oder KBE/100mL, also KolonieBildenden (vermehrungsfähigen) Einheiten je Volumen angegeben.
Die TrinkwV (§15) schreibt vor:

  • Allgemeine Koloniezahl bei 22°C Bruttemperatur <100KBE/mL
  • bei 36°C <100KBE/mL
  • Clostridien, Enterokokken, Pseudomonaden, coliforme Keime und E. coli 0KBE/100mL

Das heißt aber nicht, dass bei 0KBE/100mL das Wasser steril ist, da

  • a) Mikroorganismen nicht homogen im Wasser verteilt sind, d.h. z.B. wenn eine Probe <1KBE/mL hat, können in 100mL auch (REIN THEORETISCH) 99 oder mehr KBE enthalten sein, man hat sie nur nicht erwischt.
  • b) sich die allgemeinen Koloniezahlen immer nur auf bestimmte Nährböden und die darauf wachsenden MO beziehen, was die ganzen Angaben mehr zu sog. Leit- & Indikatorparametern, als zu festen Werten macht.

Keime

Unter anderem deshalb hat die TrinkwV einen eigenen Absatz (Anlage 3 zu §7 & 14 Abs. 3) zu "Trinkwasser zur Abgabe in verschlossenen Behältnissen" - sprich Flaschen-, Tafel- und Mineralwasser, Kanisterware und Tankwägen in Krisenfällen oder dem Verteidigungsfall, welche nochmal strenger sind, z.B. 0KBE/250mL statt 0KBE/100mL für Coliforme, E. coli, Enterokokken und Pseudomonas. Dadurch, dass Flaschenwasser nicht zwangsläufig steril sein muss, sondern "nur" diesen Grenzwerten entsprechen soll, erklärt sich z.B. auch, dass Wasser in Deutschland ein Mindesthaltbarkeitsdatum haben muss, obwohl das Grundwasser für die Produktion teilweise seit mehreren Hundert Jahren im Boden ist, da man nicht davon ausgehen kann, dass sich die Keime, die vorhanden sein dürfen über die Zeit hinaus so vermehren können, dass eine Gefährdung der Konsumenten ausgeschlossen werden kann.

Die Mineralquellen stellen das z.B. durch keimarme Abfüllung und regelmäßige Reinigungen und Kontrollen sicher. Nun wollen wir aber selbst mit haushaltsüblichen Mitteln Wasser möglichst lang haltbar lagern, das geht auch, ist aber mit etwas Aufwand verbunden. Wie wir oben gelesen haben, reicht es nicht aus, einfach unter die Werte der TrinkwV zu kommen, sondern wir wollen möglichst keimarmes oder gar steriles Wasser einlagern und das Wiederverkeimen vermeiden. Diese Desinfektion geht über mehrere Methoden:

  • Physikalische/mechanische Desinfektion
  • Thermische Desinfektion
  • Radiologische Desinfektion
  • Chemische/oxidative Desinfektion

D.h. also, wir können:

  • Filtern (sogar Sterilfiltern)
  • Erhitzen, Abkochen, Destillieren (die beiden letzteren Methoden sind 100% steril)
  • mit UV-C-Strahlung behandeln
  • mit Bioziden, wie Chlorbleichlauge, Chlordioxidlösung, Kaliumpermanganat, Wasserstoffperoxid, Ozon oder Kupfer-/Silbersalzen versetzen

Filtern erfordert hierbei spezielles Equipment, wie z.B. einen Keramikfilter (Sawyer u. dergl.) oder eine Mikrofiltrations oder gar Umkehrosmoseanlage, diese sind relativ teuer und aufwändig in Anschaffung, Wartung und Unterhalt. Bei UO werden desweiteren auch viele Mineralien entfernt, was aber nicht ganz so tragisch ist. Aber auch solche Anlagen können auf Permeat- und Retentat-Abläufen bei falscher Wartung verkeimen.

Erhitzen u. dergl. erfordert viel Energie, da Wasser eine hohe spez. Wärmekapazität hat und geht ohne Brennholz und Kessel schnell ins Geld und kann sowohl den Geschmack, als auch das Ausfallen von Kalk beeinflussen.

UV-C-Strahlung ist ein gutes Mittel, um energiesparend große Mengen an Wasser zu desinfizieren, allerdings gibt es Keime und Stämme, die sich davon vergleichsweise wenig beeindrucken lassen. Außerdem sind die Brenner recht teuer in der Anschaffung und haben eine begrenzte Lebensdauer und bei der Anwendung ist einiges zu beachten, wie der Arbeitsschutz und die Ausleuchtung.

Desinfektions- und Konservierungsmittel sind recht günstig in der Anschaffung und wirken recht zuverlässig, jedoch sind die richtige Dosierung und Anwendung bzw. Inaktivierung über sterilgeheizte Aktivkohle essentiell für eine gute Wirkung, ohne dabei gesundheitsschädlich zu sein.

Außer Acht gelassen werden weiterhin gern die Lagerorte und Bedingungen, sowie Gefäßmaterial, Gebindegröße und die Keimfreiheit von Innenwandung, Einfüllsschlauch, Deckel und Luftresten.

Im Folgenden also eine Anleitung, die meiner Meinung nach ein ideales Vorgehen mit Redundanz darstellt, sollte mal eine Methode nicht ganz ausreichen, die Schritte führen aber auch einzeln zu sichererem Erfolg,  als einfach nur Wasser in nen Kanister laufen zu lassen.

!!! Vorweg aber noch der Hinweis, dass ein aktiver, kontrollierter Brunnen ggf. mit Aufbereitungsanlage, sowie ein funktionierende Abwasserbeseitigung/reinigung und ein separater Vorrat an Brauchwasser und ein guter Trinkwasserfilter für den Notfall zusätzlich weitaus besser sind und nicht dadurch ersetzt gehören !!!

Man suche sich möglichst die kalte Jahreszeit aus, in der das Leitungswasser sowieso nur 10-12°C hat, nicht jedoch den Früherbst und die Schneeschmelzperiode mit teilweise stärkerer mikrobiologischer Belastung, am besten den Winter. Nun entnimmt man aus einer Leitung, welche man ständig in Gebrauch hat (nicht das Waschbecken in der Garage oder dem Außenhahn weils bequem ist) das Wasser, am besten nimmt man dafür die Badewanne. Vorher lässt man bei nicht allzugroßem Durchfluss ca. 5-10min ablaufen, um zu vermeiden, dass in den Rohrleitungen mitgerissenes Sediment, Rost, Biofilm etc. in die Gefäße gelangt und um möglichst frisches Netzwasser zu bekommen, nachdem die Stichleitung gespült wurde. Danach schraubt man den Perlator vom Hahn (20er, 22er oder 25er Schlüssel) ab und kann sich angucken, was sich da über die Jahre so alles angesammelt hat.

Davor oder währenddessen kann man sich schonmal an einem anderen Wasserhahn die Hände so gründlich bis zum Ellenbogen waschen und beginnen, seine Behälter - am besten leere Einmachgläser, 1-2L Braun- oder Grünglasflaschen (für den später geringen täglichen Direktbedarf), 5-30L Weinballons (für größeren Direktbedarf z.B. Kochen, Zubereitungen), sowie lebensmittelechte 5-10L-PE-Kanister (20L oder mehr sind unhandlich) für die Körperpflege und größere PE-Behälter (IBCs, Gärfässer o.ä. für den sonstigen Bedarf) !SAMT DECKELN! wie folgt zu reinigen:

  • 2× mit klarem Wasser ausspülen
  • 2× mit Spülmittel und Bürste ausschrubbe
  • 1× mit Chlorbleichlauge (1mL/1L DanChlorix z.B.) ausspülen
  • 2× mit heißem Wasser nachspülen
  • 1× mit Essig oder Zitronensäurelösung ausspülen
  • 1× mit heißem Wasser vorwärmen
  • 1× mit kochendem Wasser ausspülen
  • ein Knäuel von ca. 10cm abisoliertem, ausgekochten Klingel- oder Installations- (besser Silber-)Draht versenken
  • Abkühlen lassen
  • Dicht verschließen

Nun nimmt man sich am besten einen Einkochautomaten oder Glühweinkocher, der vorher ausgeschrubbt, gekocht und samt Ablass gespült wurde. An den Ablauf kommt ein langer, ausgekochter Silikonschlauch. An den Wasserhahn schließt man nun, statt des Perlators einen UVC-Klärer aus dem Aquarienbedarf an (vorgereinigt und gespült natürlich), daran dann einen langen Silikonschlauch, der vorher ausgekocht wurde. Über diesen wird danach der Glühweinkocher befüllt, indem man ihn hineinhängt und mit dem Deckel festklemmt. Fängt das Wasser im Kocher an, zu sieden, wird der Schlauch am Ablass in das wieder mit heißem Wasser vorgewärmte (!) zu befüllende Gefäß bis zu dessen Boden gehängt und dieses darüber so befüllt, dass es überläuft, bis dessen Volumen ca. 2× ausgetauscht wurde, je größer das Gefäß ist, desto länger dauert das halt. Gleichzeitig wird das Frischwasser am Hahn so aufgedreht, dass der Pegel im Kocher ungefähr konstant bleibt bzw. nur wenig schwankt (braucht etwas Gefühl und Umsicht, zu zweit macht sichs deutlich besser), aber nur so viel, dass die Leistung des Kochers ausreicht, den gesamten Inhalt möglichst über 70-80°C zu halten.

Ist ein Gefäß gespült und gefüllt, so schüttet man so viel ab, dass ca. ein cm Luft bis zum Deckel besteht, gibt ggf. 1-2 Tropfen 1:1 verdünnte Chlorbleichlauge (DanKlorix o.ä.) oder frische Chlordioxidlösung oder 2mL Wasserstoffperoxid (z.B. Söchtinger Oxidatorlösung) oder 0,1%ige medizinische Kaliumpermanganat-Lösung (Achtung wird wahrscheinlich kurz violett zu braun) je Liter hinzu, verschließt den Behälter unverzüglich, schüttelt ihn gut, damit sich das Biozid verteilen und das Wasser das Metallkneuel umströmen kann, umwickelt den Hals und Deckel mit Frischhaltefolie, stellt es an einen möglichst kühlen und dunklen Ort und deckt es zum Staubschutz mit einer Plane oder Folie ab.

Allerdings sei angemerkt, dass auch jeder einzelne Schritt die Qualität sichert und man nicht unbedingt alles tun muss, zumal wenn man eh regelmäßig rotiert und weiterhin weise ich darauf hin, dass bei stark kalkhaltigem/hartem Wasser, das über 60°C erhitzt wird, viel Kalk ausfallen kann und es deshalb vorher ggf. per Umkehrosmose oder Ionentauscher (Brita o.ä.) entsalzt werden sollte, die Kupferkonservierung nur bei Wasser, dass nach der TrinkwV mit pH 6,5-9,5 benutzt werden sollte und im Umgang mit, sowie der Dosierung von oxidativen Desinfektionmitteln besondere Sorgfalt, Vorsicht und Arbeitsschutz geboten ist, da die Ausgangsstoffe zumeist stark giftig und/oder ätzend bzw. reizend, zumindest aber stark gewässer- und umweltgefährdend wirken. Letzteres empfehle ich wirklich nur Personen, die sich belesen haben und wissen, was sie tun.

Schild

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