Der Schamlose Penis

Kategorie: Haus, Garten, Küche & Co. Veröffentlicht: Sonntag, 24. Oktober 2021

(von Clayton Husker)
Natürlich handelt dieser Artikel nicht von unbehüllten Genitalien. Vielmehr geht es um etwas, das vielerorts wegen des deutschen Namens verkannt wird, nämlich die Stinkmorchel oder der Leichenfinger.

Stinkmorchel

Ja, die Stinkmorchel verdient ihren Namern zurecht, zumindest, wenn die Gleba, der grün-braune Überzug des Hutes noch drauf ist. Dann riecht man diesen Pilz mit dem lateinischen Namen Phallus impudicus, zu deutsch: "Schamloser Penis". Woher sie diesen Namen wohl hat. Sie gehört übrigens *hüstel* zu den Ständerpilzen.

Die Frage ist: Kann man diesen Pilz essen? Ja und Nein. Letzteres, weil wohl kaum jemand es gern hat, irgendetwas in seinem Essen zu haben, das nach Aas riecht. Das kommt nämlich von der ekligen Schleimschicht auf dem Hut, der Gleba, die als Sporenträger gern von Aasfliegen aufgenommen wird. Haben die allerdings die Gleba vollständig aufgenommen, kommt ein weißer, äußerst aromatischer Pilz zum Vorschein, der wegen Form und Farbe auch oft als "Leichenfinger" bezeichnet wird. Und den kann man durchaus essen.

Gleba der Stinkmorchel

Lassen wir also erst einmal die Fliegen ihre Arbeit tun und den ganzen Aas-Stinkkram ablutschen, dann kommt der schon erwähnte Leichenfinger zum Vorschein, der aus der reinen Gitterstruktur von Hut und Stiel besteht. Frisch geschnitten riecht er erdig, leicht muffig und er wiegt fast nichts. Der Pilz lässt sich nun gut auf der Darre trocknen und eignet sich gemahlen hervorragend als Bestandteil von Würzpulver für diverse Speisen.

Leichenfinger

Eine weitere Erscheinungsform der Stinkmorchel ist die als HEXENEI bekannte Frühform des Pilzes. Dabei handelt es sich um eine von ledriger Haut umschlossene Knolle, in der sich wirklich, wirklich zäher Schleim befindet, der die Knospe des Pilzes einhüllt. Darin befindet sich der kompakte Kern, der einen sehr angenehmen, rettichartigen Geschmack entfaltet und sich hervorragend gebraten oder als Würze eignet. Das Hexenei um Gottes Willen nicht in der Küche filettieren, das gibt eine riesen Sauerei. Das erledigt man am besten wohl draußen.

Hexenei

Alles in allem lässt sich die Stinkmorchel also zu den essbaren Pilzen zählen und bildet nicht nur in Krisenzeiten eine Bereicherung des Speiseplanes. Ich selbst verwende sie hauptsächlich als Würzpulver in Suppen und Saucen.

 

 

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